14.-15. April 2010, Köln
Enterprise 2.0 FORUM

Enterprise 2.0 FORUM

Fallbeispiel: dbWiki - Umsetzung eines unternehmensinternen Lexikons mit Web 2.0 Technologie

Dr. Matthias Büger, Vice President, Group Technology and Operations, Deutsche Bank AG
Jamil Ouaj, GTO Communications, Deutsche Bank AG
2008-09-18: 11:45 - 12:15

Interview mit dem Referenten

Was ist ihre Aufgabe im Unternehmen? Mit welcher Fragestellung aus dem Enterprise 2.0-Umfeld beschäftigen Sie sich gerade? Wie zukunftsträchtig ist das Thema?

Ich bin Mitglied des Kommunikationsteams für den Technologiebereich Group Technology and Operations (GTO). Innerhalb dieses Teams, das für die weltweite Koordination der internen Kommunikation zuständig ist, liegt der Schwerpunkt meiner Tätigkeit auf der Gestaltung und strategischen Ausrichtung der Online-Kommunikation. Dazu gehören die Konzeption von innovativen Kanälen und die Nutzung von neuen Kommunikationstechnologien. Da sind wir schon beim Thema. Web 2.0 bzw. Enterprise 2.0, bei uns als dbEnterprise 2.0 bezeichnet, ist für mich bereits gelebter Alltag. Der Paradigmenwechsel hat stattgefunden. Wir leben in einem Onlinezeitalter, in dem die Onlinenutzer nicht mehr nur passive Empfänger von Information, sondern auch aktive Akteure sind. Das Thema ist zukunftsträchtig, weil nun mehr und mehr Unternehmen Web 2.0 Applikationen in Produktion bringen und damit ihre Online-Welten in profunder Art umgestalten.

Wie würden Sie Ihrem Management erklären, was Enterprise 2.0 eigentlich ist?

Unser Management weiß, was Enterprise 2.0 ist und fördert es im Rahmen der Innovationsprogramme, -initiativen und -projekte, die wir in GTO führen. Das war wichtig für eine rasche, zielorientierte und erfolgreiche Reihe von Web 2.0 Applikationen, die seit einiger Zeit schon genutzt werden.

Generell würde ich Enterprise 2.0 als einen hervorragenden Weg beschreiben wollen, die Kollaboration und Netzwerkbildung unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie auch mit Partnern, Lieferanten oder Kunden zu fördern und an das Unternehmen noch stärker zu binden. Es handelt sich um interaktive Online-Plattformen, bei denen sich die Nutzer an der Informationsvermittlung beteiligen und durch den gemeinschaftlichen Austausch von Wissen und Expertise Mehrwert schaffen.

Wie kamen Sie persönlich zu dem Thema Enterprise 2.0?

Ich war und bin immer begeistert für Kommunikation und technologische Neuerungen. Seit den Anfängen des Internet bin ich ein aktiver und sehr interessierter Online-Nutzer. Das Wissen und die Erfahrung, sind wertvoll für meine Rolle als Online-Manager und -Producer.

Was ist für Sie nach Ihren Erfahrungen die grundsätzliche Idee (der zentrale Ansatz) hinter Enterprise 2.0? Wie werden sich die Unternehmen verändern? Wie bekommt man die Grundprinzipien von Enterprise 2.0 im Unternehmen unter einen Hut?

Zentraler Gedanke bei Enterprise 2.0 ist die Portierung der Web 2.0 Philosophie von der privaten Internetsphäre in den geschäftlichen Bereich. Das ist zunächst nicht einfach, denn Unternehmen sind durch Prozesse und Strukturen geprägt. Web 2.0 hingegen setzt auf flache Hierarchien. Sender und Empfänger begegnen sich auf Augenhöhe Barrieren zwischen Divisionen und regionale Grenzen werden virtuell abgebaut. Es herrscht der Gedanke der Kollaboration, des Austausches und der gegenseitigen Unterstützung unter allen Beteiligten, abgesehen von ihrer Position in einem Organigramm, von der Struktur oder Region, der sie angehören, weil alle den gleichen Zugang haben.

Die Einfachheit in der Nutzung ist ein wesentliches Merkmal der Web 2.0 Applikationen.

Online-Fachleute bieten die Plattformen an, die Nutzer werden zu Lieferanten und Managern von Inhalten aller Art. Sie können Beiträge in Blogs veröffentlichen, Artikel in Wikipedia oder anderen Wikis erstellen und editieren, Videos auf Video-Plattformen laden oder sonstige Inhalte mit wenigen Klicks publik machen.

Für die Geschäftswelt bedeutet das eine Gelegenheit, Mehrwert rasch zu schaffen und zu erhöhen. Jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin ist schließlich ein Experte auf seinem Gebiet. Unternehmen, die auf Vernetzung von Menschen und Information setzen, können von der aktiven Beteiligung im Austausch von Information, Expertise und Wissen nur profitieren. Und: sie werden als Experte wahrgenommen und lernen wiederum andere kennen, mit denen sie sich vernetzen und Gedanken austauschen können. Das stärkt den gemeinschaftlichen Gedanken und die Identität des Unternehmens nach innen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Unternehmen gefragt werden, sich aktiver zu beteiligen, entwickeln eine stärkere Bindung zu ihrem Arbeitgeber, zu ihrer Community.

Wer sind in Ihrem Unternehmen die Treiber/die Promotoren hinter dem Thema Enterprise 2.0?

Zum einen das Management, das Innovation als wettbewerbsrelevante Größe erkannt hat und fördert. Zum Anderen sind es die Mitarbeiter selbst, die sich und ihre Expertise gerne einbringen: Als wir dbWiki, unsere auf Wikipedia basierende Enzyklopädie vor etwa zwei Jahren in der Testphase gestartet hatten, wollten viele die Applikation am liebsten sofort rasch live sehen und behandelten sie in der darauf folgenden Pilotphase so, als wäre sie bereits etabliert. Als die Applikation dann den Produktionsstatus erlangte, war sie bereits ein fester Bestandteil der Online-Kommunikation. Ähnliches beobachteten wir auch bei anderen Applikationen wie etwa einer Social Networking Plattform, bei Foren, Blogs, Videos.

Welche Potentiale sehen Sie für Unternehmen beim Thema Enterprise 2.0?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfinden solche Tools zunehmend als selbstverständliche Bestandteile der Onlinewelt - und auch in ihrem "klassischen" Unternehmen. Enterprise 2.0 wird als fester Bestandteil der Onlinekommunikation zunehmen und weitere Teile und Tools erfassen. Das geht mit einem neuen Verständnis der Informationsvermittlung innerhalb von Unternehmen einher. Diese greifen auf den vorhandenen Reichtum von Wissen und Expertise zu. Neue Synergien werden durch neue Formen und Konstellationen von Kollaboration und Zusammenarbeit sichtbar und genutzt.

Unternehmen, die Enterprise 2.0 implementiert haben, sind bereits vorbereitet auf eine Zukunft, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch Lieferanten und Kunden, mit Enterprise 2.0 und neuen Online-Technologien nicht nur vertraut sind, sondern diese zunehmend auch erwarten.

Was sind typische Stolpersteine /Barrieren für das Thema Enterprise 2.0? Welche Empfehlungen können Sie dazu aufgrund ihrer Erfahrungen den Kollegen aus anderen Unternehmen mitgeben?

Einerseits der Mangel an Bereitschaft und Motivation für Veränderung und Innovation in Unternehmensführungen, sowie die bürokratischen Hürden, anderseits eine geringe Beteiligung der Nutzer, wenn die Unternehmenskultur nicht auf offenen Austausch und gemeinschaftliche Solidarität setzt.

Als Empfehlung fällt mir unter anderem ein, dass jene Enterprise 2.0 Projekte erfolgreich sind, bei denen man - hinter der Fassade des Hype -, die Realität stets im Auge behält. Ein Enterprise 2.0 Projekt kann nur erfolgreich sein, wenn die Projektstrategie die Kommunikationskultur im Unternehmen erkennt und darauf aufbaut.

Wichtig ist auch, dass Enterprise 2.0 Projekte noch rigoroser gestartet und geführt werden müssen als klassische Projekte, da man sich hier größtenteils auf neues Terrain begibt. Die Abstimmungsrunden und Teilprozesse werden seit der Planung weiter und schließen alle wichtigen und relevanten Projektpartner und -stakeholder ein. Aspekte von Sicherheit und Risikomanagement müssen berücksichtigt werden. "Schnellschüsse" führen zu Misserfolg und Ernüchterung.

Regelmäßige und zielgerichtete Kommunikation ist nötig, um die Schlüsselpersonen im Unternehmen für den späteren Mehrwert zu sensibilisieren und das Bewusstsein für mehr Beteiligung zu stärken.

Was sind ihre drei Wünsche für eine erfolgreiche Enterprise 2.0-Zukunft in ihrem Unternehmen?

  • Weiterhin der Support durch das Management.
  • Unterstützung von Innovation, generell.
  • Schaffung von Freiräumen und der Mut zu kreativem Experimentieren.

Was sind ihre Erwartungen an das Enterprise 2.0-Forum?

Ein möglichst realitätsnaher Austausch. Kein Hype!

Das Interview wurde durch Dr. Joachim Niemeier durchgeführt.

Dr. Matthias Büger

Vice President, Group Technology and Operations, Deutsche Bank AG

Jamil Ouaj

GTO Communications, Deutsche Bank AG